Noch zwei Wochen – Endspurt

16 04 2010

Es ist schon seltsam, beinahe beängstigend, wie schnell die Zeit vergeht aber auch, wie sich das Zeitgefühl, abhängig von der Situation verändert.
3,5 Monate sind vergangen, seit ich mehr oder weniger ängstlich, zumindest jedoch etwas unsicher, die kanadische Grenze überschritten habe. So unendlich lang schien die Zeitperiode, die ich hier verbringen sollte/wollte. Und nun, nach mehr als hundert Tagen, 8 Präsentationen, 7 Klausuren (die 8-te und letzte werde ich in zwei Stunden schreiben), gefühlten Hunderten von neuen Freunden, Tausenden von neuen Eindrücken und Millionen von Litern Bier – ach Quatsch 😉 – sind es plötzlich nur noch zwei Wochen bis zum Abflug.
Das macht einen schon nachdenklich.

Einerseits scheint es, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich mit mehr Glück als Verstand in dem Studentenwohnheim angekommen bin. Auf der anderen Seite hab ich mich so sehr an das Leben gewöhnt, an die ekligen morgendlichen Spuckgeräusche meines Zimmernachbars, wenn er sich die Zähne putzt, an das laute, plötzliche Brummen des Kühlschranks, wenn die Kühlung wieder anspringt, usw., als würde ich ewig hier wohnen.
So sehe ich auf dem Abflug mit gemischten Gefühlen entgehen: zur wachsenden Freude darüber, dass ich meine Familie wiedersehen werde (als ich das hier erzählt habe, sind die Leute in schallendes Gelächter ausgebrochen – versteht das einer?) mischt sie eine gewisse Traurigkeit, das Leben und die Freunde hier zurück zulassen.

Ja, ich glaube ich habe mich verändert. Neben der drohenden Poker-sucht und dem besseren Englisch, glaube ich meine Kommunikationsfähigkeiten weiter entwickelt zu haben. Einmal, durch das Studieren und Anwenden des Buches „How to Win Friends and Influence People“ (das ich übrigens allen empfehlen kann) aber vor allem durch die vielen, vielen erlebten und beobachteten Gesprächen mit Menschen aus den verschiedensten Ländern.
Ich glaube so ein Auslandssemester ist bestens hierfür geeignet, man kann das „Menschen-kennen-lernen“ sehr gut trainieren und den interessanten Gruppenbildungsprozess vielmals begleiten.
Wie dem auch sei, meinen Humor habe ich glaube ich noch nicht verloren 😉

Leider ist es mir nicht gelungen weiterhin regelmäßig Blog-Einträge zu veröffentlichen, zum einen weil der Rat eines erfahrenen Arbeitskollegen „mehr zu feiern“ einfach zu einleuchtend war, zum anderen habe ich mir mit dem Erstellen der Videos das Leben zu schwer gemacht, indem ich den Aufwand aber auch die Messlatte zu hoch geschraubt habe und somit nicht genügend Zeit hatte, um umfangreiche Bilderstrecken zu erstellen, aber mich wiederum auch nicht mehr mit einfachen Texteinträgen begnügen wollte. Das Ergebnis ist euch ja bestens bekannt.

Trotzdem hoffe ich noch, euch vor dem Abflug das ein oder andere heitere Erlebnis mitteilen zu können, um die Vorfreude auf mich aber auch euren Neid weiter zu schüren 😉
Oder ist das für unsere Beziehung eher kontraproduktiv?

Wie dem auch sei, jetzt schaue ich mir zum letzten Mal meine Notizen an, um auch die letzte Klausur mit Anstand zu bestehen (die bisherigen war alle im positiven grünen Bereich).

Liebe Grüße aus hinter dem großen Teich,
Euer Ivan

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