Reise durch Nordamerika – Teil 3: Vancouver

20 04 2010

Heute leicht verspätet in 2 bzw. 4 Jahren aber wieder brandaktuell: der letzte Part der Noradamerikareise, die ich mit Anne angetreten und größtenteils unbeschadet überstanden habe. Man sagt dazu auch: noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen…

Wenn ihr euch noch daran erinnert, sind wir in Teil 1 nur knapp einer 300$ Strafe entkommen und haben in einem Heim für Obdachlose übernachtet.
Nach eher „langweiligeren“ Tagen auf Vancouver Island (Victoria) haben wir den Kick in Vancouver gesucht und ich sage euch: wir haben ihn gefunden…

Folgendes hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben:
Er hat gesagt: Junge, im Grunde kannst du dort drüben (in Kanada) machen was du willst. Aber Eines will ich dir aber mit auf den Weg geben: Wenn du die Gelegenheit bekommt, musst du unbedingt zu den olympischen Spielen gehen. So eine Chance wirst du vielleicht nie wieder haben…
Und auch von anderen Stellen hab ich Ähnliches gehört: Olympia, Olympia, Olympia.
Interessant ist es deshalb, weil wahrscheinlich niemand hin gegangen wäre, wenn die olympischen Spiele in Deutschland stattgefunden hätten, aber wenn man im Ausland ist und dann findet so ein Ereignis statt, dann muss man unbedingt hin…
Wie dem aus sei, bereut haben wir es nicht, es war schon sensationell!!!

Zunächst einmal zur Stadt:
Die Atmosphäre war schon ziemlich beeindruckend: sehr viele Touristen, Helfer, überall rot und weis, hunderte von kanadischen Flaggen, „Go Canada Go“ auf allen Bussen, in den Schaufenstern der Läden und auf großen Schildern.
Die Innenstadt war teilweise gesperrt und mit den Bussen kam man auch nicht schneller vorwärts als zu Fuß. Ich persönlich muss sagen, dass es anfangs sehr aufregend war, auf Dauer aber auch recht anstrengend…

Da alle Hostels, Hotels und auch sicherlich alle Obdachlosenheime ausgebucht waren (obwohl während dieser Zeit teilweise das fünf- bis zehnfache des Preises verlangt wurde) wussten wir von Beginn an, dass wir die Nacht im Auto verbringen würden. Sicherheitshalber haben wir eine Decke mitgenommen. Wir haben auch erwartet, dass es kalt werden würde (die Temperaturen waren nachts um den Gefrierpunkt), aber WIE kalt es sein würde…hätte mir das einer vorher gesagt, ich hätte da sicherlich nicht mitgemacht.
Wir haben alle 60 Minuten den Motor angemacht, um das Auto aufzuheizen und es war trotzdem so eisig, dass ich am Ende die Minuten gezählt habe, bis die Sonne dann aufgegangen ist. Die beste Voraussetzung übrigens, wenn man am nächsten Abend eine 4-stündige Autofahrt vor sich hat…

Trotzdem haben wir es uns am nächsten Tag gut gehen lassen, Fahrräder gemietet und eine Tour rund um die Küste gemacht (bis wir einen platten Reifen hatten). Und das Hockeyspiel, es war unser erstes Live-Spiel überhaupt, war auch ziemlich spannend gewesen (auch wenn Deutschland am Ende mit 3:5 gegen Weißrussland verloren hat).

Das Einzige was uns etwas Sorgen bereitet hat war die Rücktour. Wir wussten, wir würden beide nach dem Hockeyspiel müde sein (23.00) und hätten dann noch ne lange Rückfahrt auf einem leeren, dunklen Highway – einlullender hätte es nicht sein können.
Doch wie so oft in den letzten Tagen, half uns der Freund und Helfer: die Polizei! Auch wenn es wieder mal aus judikativer Sicht betrachtet grenzwertig gewesen ist.
Ich meine mir ist das Herz schon die Hose gerutscht, als plötzlich das Blaulicht mit Sirene hinter uns anging und wir rechts ran fahren mussten. Mit anderen Worten: Wir haben die Auffahrt zum Highway gesucht, nicht so eine Konfrontation…zumal danach erst einmal gar nichts passierte: Wir saßen im Auto und niemand kam.
Irritiert stieg ich dann schließlich aus. Ich war sogar so verwirrt, dass ich die Aufforderungen des Polizisten mich, ‚zu unserer beider Sicherheit’, wieder ins Auto zu setzen, zunächst einmal ignoriert habe (bitte nicht zu Hause nachmachen).
Kurz bevor er dann abgedrückt hätte, ist seine Botschaft dann doch bei mir angekommen und ich hab mich schleunigst wieder ins Auto gesetzt. Wir konnten uns bei bestem Willen nicht vorstellen, dass wir irgendwas falsch gemacht haben könnten und umso schockierter waren wir dann, als er die Frage, ob wir eine Regel verletzt haben, mit „Ja“ beantwortet hat.
Anscheinend sind wir nämlich zwei Mal bei ‚gelb’ über die Kreuzung gefahren… Das Herz, das sich zwischenzeitlich in der Hose gemütlich gemacht hatte, setzte für einen Moment komplett aus.
Umso überraschter war ich dann, als sich seine Miene bei den Worten „wir sind auf der Suche nach dem Highway“ total veränderte und er fr…sagte: „Ihr habt euch verfahren?!“
Seine Aussage haben wir dann so verzweifelt klingend wie möglich bejaht und er erklärte uns kurzerhand, dass er vorführe und uns dem Weg zum Highway zeigen würde. Von Strafe war keine Rede mehr.
Und so wurden wir dann freundlich aus Vancouver eskortiert und hatten so viel Adrenalin im Blut, dass wir ans Schlafen noch nicht einmal denken konnten.
Natürlich war es am Ende trotzdem hart (vor allem die letzten 60 Kilometer), und doch sind wir heil und glücklich zu Hause angekommen.

Im Nachhinein betrachtet, war das Aussteigen aus dem Auto und auf den Polizisten zugehen (hatte ich die Hände in den Hosentaschen? ;)), vielleicht sogar ein genialer Schachzug, der das Bild „verwirrte und bedürftige Touristen“ erst vervollständigt hatte. Aber das werden wir wohl nie erfahren…

So und nach so viel Text, habt ihr euch das Video verdient ;)!





Noch zwei Wochen – Endspurt

16 04 2010

Es ist schon seltsam, beinahe beängstigend, wie schnell die Zeit vergeht aber auch, wie sich das Zeitgefühl, abhängig von der Situation verändert.
3,5 Monate sind vergangen, seit ich mehr oder weniger ängstlich, zumindest jedoch etwas unsicher, die kanadische Grenze überschritten habe. So unendlich lang schien die Zeitperiode, die ich hier verbringen sollte/wollte. Und nun, nach mehr als hundert Tagen, 8 Präsentationen, 7 Klausuren (die 8-te und letzte werde ich in zwei Stunden schreiben), gefühlten Hunderten von neuen Freunden, Tausenden von neuen Eindrücken und Millionen von Litern Bier – ach Quatsch 😉 – sind es plötzlich nur noch zwei Wochen bis zum Abflug.
Das macht einen schon nachdenklich.

Einerseits scheint es, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich mit mehr Glück als Verstand in dem Studentenwohnheim angekommen bin. Auf der anderen Seite hab ich mich so sehr an das Leben gewöhnt, an die ekligen morgendlichen Spuckgeräusche meines Zimmernachbars, wenn er sich die Zähne putzt, an das laute, plötzliche Brummen des Kühlschranks, wenn die Kühlung wieder anspringt, usw., als würde ich ewig hier wohnen.
So sehe ich auf dem Abflug mit gemischten Gefühlen entgehen: zur wachsenden Freude darüber, dass ich meine Familie wiedersehen werde (als ich das hier erzählt habe, sind die Leute in schallendes Gelächter ausgebrochen – versteht das einer?) mischt sie eine gewisse Traurigkeit, das Leben und die Freunde hier zurück zulassen.

Ja, ich glaube ich habe mich verändert. Neben der drohenden Poker-sucht und dem besseren Englisch, glaube ich meine Kommunikationsfähigkeiten weiter entwickelt zu haben. Einmal, durch das Studieren und Anwenden des Buches „How to Win Friends and Influence People“ (das ich übrigens allen empfehlen kann) aber vor allem durch die vielen, vielen erlebten und beobachteten Gesprächen mit Menschen aus den verschiedensten Ländern.
Ich glaube so ein Auslandssemester ist bestens hierfür geeignet, man kann das „Menschen-kennen-lernen“ sehr gut trainieren und den interessanten Gruppenbildungsprozess vielmals begleiten.
Wie dem auch sei, meinen Humor habe ich glaube ich noch nicht verloren 😉

Leider ist es mir nicht gelungen weiterhin regelmäßig Blog-Einträge zu veröffentlichen, zum einen weil der Rat eines erfahrenen Arbeitskollegen „mehr zu feiern“ einfach zu einleuchtend war, zum anderen habe ich mir mit dem Erstellen der Videos das Leben zu schwer gemacht, indem ich den Aufwand aber auch die Messlatte zu hoch geschraubt habe und somit nicht genügend Zeit hatte, um umfangreiche Bilderstrecken zu erstellen, aber mich wiederum auch nicht mehr mit einfachen Texteinträgen begnügen wollte. Das Ergebnis ist euch ja bestens bekannt.

Trotzdem hoffe ich noch, euch vor dem Abflug das ein oder andere heitere Erlebnis mitteilen zu können, um die Vorfreude auf mich aber auch euren Neid weiter zu schüren 😉
Oder ist das für unsere Beziehung eher kontraproduktiv?

Wie dem auch sei, jetzt schaue ich mir zum letzten Mal meine Notizen an, um auch die letzte Klausur mit Anstand zu bestehen (die bisherigen war alle im positiven grünen Bereich).

Liebe Grüße aus hinter dem großen Teich,
Euer Ivan





Frohe Ostern

6 04 2010

Als ich heute Morgen von Miriam ein Schoko-Ei zur Begrüßung bekommen habe, da hatte auch mich das Osterfest eingeholt.

Die letzten Tage waren recht intensiv, Examen, die letzten, größten und wichtigsten Präsentationen sowie ein 25-minütiges Verkaufsgespräch, das auf Video aufgezeichnet wurde und bewertet werden soll, haben mich doch ganz schön auf Trab gehalten und so haben die kommenden Feiertage mich eher traurig gestimmt. Es gibt einige Tage, die man einfach zusammen mit seiner Familie verbringen muss, wie Weihachten zum Beispiel, oder eben auch Ostern. Und ich habe nicht erwartet, dass ich dieses Jahr ein Osterfest haben werde.
Meine Freunde sollten mich jedoch eines Besseren belehren und diesen Tag zu etwas Besonderem machen. Vielen Dank dafür, das ist euch wirklich sehr gut gelungen 😉

Zunächst haben wir morgens an einer Messe der Freikirche „Kamloops Alliance Church“ teilgenommen. Es war für mich ziemlich interessant, weil ich bisher nur Messen einer eher traditionellen evangelischen Kirche besucht habe und Aktionen wie Klatschen nach einem Lied, Händeschütteln mit dem Nachbarn und Geistliche in Businessanzügen sehr neu für mich waren. Zusammenfassend würde ich sagen, dass dort Ostern enthusiastischer gefeiert wird. Es wird mehr gesungen und die Lesung kommt eher kürzer. Dafür war das Publikum recht jung: neben einigen älteren waren auch viele junge und sehr junge Menschen dort, teilweise haben die Kinder während der Messe mit Spielzeug gespielt oder z.B. gemalt, um sich zu beschäftigen, was ich mir in unseren Kirchen eher weniger vorstellen könnte.

Nachmittags sind wird dann auf einen der Berge gestiegen, um dort Ostereier zu verstecken und zu suchen (tolle Idee Maria) – wir hatten einen schönen Picknick bei bestem Wetter. Nur auf dem Rückweg ist leider der Korb mit den Eiern umgefallen, als der Korbträger beim Abstieg ausgerutscht und hingefallen ist (Eier und Träger sind mittlerweile wohlauf ;)). War aber halb so wild, meine Hose ist nicht dreckig geworden 😉 – und wir haben alles wieder aufsammeln können.

Zur Krönung des Tages gab es ein leckeres 5-Sterne-Dinner mit Putenbrust, Stampfkartoffeln, Gemüse und Salat. Und zum Nachtisch weitere Schoko-Eier – ich war ganz schön voll.
Da störte es mich auch wenig, dass ich von einigen wenigen geärgert wurde (irgendwie müssen immer einige aus der Reihe tanzen…)– oder war das andersherum…?

Abgerundet haben wir den Abend mit ein paar Dosen Bier, die Maria und ich kurzfristig beim Liquor Store geholt haben – was will man(n) mehr?

Im Laufe des Tages werde ich noch die Bilder des Tages einstellen/ oder in einem Kurzvideo zusammenfassen.

Ich wünsche euch auch noch einen schönen Ostermontag, den ihr hoffentlich mit eurer Familie verbringen könnt.