Der erste Schritt zum Rausschmiss aus dem Wohnheim ist getan

19 03 2010

Ich unterbreche das Rahmenprogramm mal für eine dringende aktuelle, wenn auch nicht mehr brandheiße aber immer noch lauwarme, Meldung. Eigentlich hatte ich den „Rausschmiss aus dem Studentenwohnheim“ nicht als einer meiner Ziele auf der Liste gehabt. Und ich war ja bisher ein gesetzestreuer Tourist. Trotzdem wurde dieser Prozess gestern angestoßen und der erste von drei bzw. vier dafür notwendigen Schritten ist bereits vollzogen worden…

Kennt ihr diese Tage, an denen man morgens aufwacht, alles scheint bestens zu sein, man ist voller Mut und Energie, bereit für große Taten und plötzlich, 19 Stunden später, fragt man sich: „Heiliges Kanonenrohr, wie bin ich da nur rein geraten? Der Tag hatte doch so gut angefangen, ich bin früh aufgestanden, war voller Mut und Energie, bereit für große Taten und jetzt, 19 Stunden später, frag ich mich: ‚Heiliges Kanonenrohr, wie bin ich da nur rein geraten? Der Tag…’“
Das war einer dieser Tage.

Also angefangen hat es damit, dass wir den St. Partick’s Day hatten. In Kanada bedeutet das: alle ziehen sich grün an und trinken auf den irischen Heiligen, meistens grün gefärbtes (selten irisches) Bier. Mit anderen Worten, der Thirsty Thursday wurde dieses mal auf Mittwoch verschoben, die Studentenkneipe Heroes wurde um zwei weitere Räume erweitert, man rechnete mit ca. 1500 Studenten (normalerweise gehen nicht mehr als 200 dort hin).

Studenten im Heroes


Alles lief bestens, ich musste noch in einen Klamottenladen, weil ich kein grünes T-shirt hatte, und kam nach 15 min mit dem perfekten Oberteil wieder heraus. Johannes hat uns Zweien dazu noch einen Hut besorgt (stellt euch mal vor, es gab sogar welche, die grüne Unterwäsche getragen haben sollen).
Wir verabredeten uns für 9 Uhr und kamen um 9.10 dort an. Da war die Bar schon gut gefüllt und die Theke ziemlich voll, sodass man ca. 15 min warten musste um an ein Getränk zu kommen. Dann passierte eben das, was passiert, wenn man in einer Bar ist, es wird getrunken, gelacht und getanzt und 4 Stunden später wird das Ganze dann langsam aufgelöst. Das war für uns natürlich etwas zu früh…

…also sind wir (eine gemischte Gruppe aus 7 Personen) danach noch auf mein Zimmer gegangen (nicht ohne vorher beim Johannes gewesen zu sein, eine Flasche mit einer klaren Flüssigkeit und auf dem Weg zwei weitere Frauen kennen gelernt und mitgenommen zu haben).
Ich würde an dieser Stelle auch behaupten, dass wir in der Masse, neben grölenden Studenten, die sich teilweise auf den Schultern anderer tragen ließen, um dann auf einen Tisch umzukippen, noch sehr fit aussahen und man uns nicht anmerken konnte, dass wir heute irgendwelche Regeln brechen würden.

In dem Zimmer haben wir uns dann halt, wie man das so macht, unterhalten, Musik gehört, etwas getrunken und gesungen. Das war dann auch der Fehler, der uns zum Verhängnis wurde: Nein, nicht das Trinken, sondern die Kombination aus Musik hören und selber singen. Wenn man singen will, nebenbei aber die Musik hört, dann muss man natürlich etwas lauter singen, um die Musik zu übertönen. Wenn man Musik hören will, nebenbei aber gesungen wird, dann muss man natürlich die Musik etwas lauter drehen. Und so kräuselt sich die Teufelsspirale…

Johannes, trink's! Trink es aus!


…und plötzlich, 2 Stunden später, darf man erfahren, wie schnell sich so eine Partygesellschaft auflösen kann, wenn nur die richtigen Hebel bewegt werden:
In diesem Falle war es ein lautes Klopfen an der Tür, dann Stille, dann mein Wunsch, „Könnt ihr mal kurz unsichtbar werden?“, der nicht in Erfüllung gegangen ist, dann das Tür-öffnen und die Frage: „Heiliges Kanonenrohr, wie bin ich…“

Der Wachmann, schaute nicht besonders freundlich aus und bat uns/meine Freunde mit Nachdruck nach Hause zu gehen. Er sei wohl zum dritten Mal an unserem Zimmer vorbeigegangen und als er uns ein Haus weiter (das Studentenheim besteht aus drei größeren Gebäuden) immer noch gehört hat, ist ihm dann der Kragen geplatzt (er hat es natürlich anders formuliert). Als Folge dessen mussten alle gehen und ich habe eine mündliche Verwarnung in schriftlicher Form (Habt ihr so etwas schon mal gesehen? Und da soll Deutschland bürokratisch sein) erhalten. Mein Angebot auf einen Schluck Vodka hatte er dankend abgelehnt.

Ich habe mich bei ihm für den Hinweis, dass wir zu laut gewesen sind, bedankt, mich vergewissert, dass keiner von meinen Nachbarn sich beschwert hat und ihm Recht gegeben, dass es wirklich spät sei. Seine Miene hellte sich daraufhin auf und ich glaube er war nicht weit davon entfernt, mich auf ein Bier einzuladen. Ich hätte dankend abgelehnt.

Dies ist eine mündliche Verwarnung


Den Zettel gab’s trotzdem. Fehlen noch die schriftlichen Verwarnungen 1&2. Bei weiteren solchen oder ähnlichen Fällen, würde ich dann das Wohnheim verlassen müssen.
An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass Regeln dazu da sind eingehalten zu werden und unser Verhalten unfair gegenüber unseren Nachbarn gewesen ist. (Wie ein Zimmernachbar letztes Wochenende bis 5 Uhr morgens gefeiert hat, werd ich in einem der nächsten Einträge erzählen…).

Das Lied des Abends:

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Reise durch Nordamerika – Teil 2: Victoria

16 03 2010

Tadaaaaaaaaa, da ist das Ding, DA IST DAS DING!!! Hm, ich vermisse den Fußball. Auch wenn die Ergebnisse mich zumindest teilweise trösten. Schalke könnte ja mal zwischen durch zumindest stolpern…

Anyway, Victoria, man traut es ihr (in meinen Augen ist das eine weibliche Stadt, also „sie“) gar nicht zu, ist doch tatsächlich die Landeshauptstadt von British Columbia. Dabei ist sie viel, viel kleiner als Vancouver, aber deswegen nicht weniger schön, ganz im Gegenteil.

Anjas heißem Tipp folgend (sie schwärmt von Vancouver Island ;)) haben wir dort also 4 Nächte in, diesmal, einem richtigen Hostel verbracht, dem HI-Hostel direkt am Wasser. Das Wetter war diesmal bestens, die Sonne hat den ganzen Tag geschienen und daher waren wir viel draußen, sind gewandert und Boot gefahren…

…aber die Details verrät das Video 😉

Beim Wahle watching hatten wir ein Riesenglück, normalerweise beginnt die Saison im April und viele Unternehmen bieten das gar nicht an. Wir haben es trotzdem probiert, auch wenn die gesagt haben, dass die Wahrscheinlichkeit bei 50 zu 50 steht. Aber unser Kapitain hat einen Tipp von einem Fischer bekommen, dem er dann gefolgt ist und dann haben wir die auch tatsächlich gefunden 😉

Das einzig doofe an Victoria war die Parksituation. Das Hostel hatte keinen Parkplatz und an der Straße durfte man nur abends kostenlos parken, so mussten wir um 9 Uhr aus den Feder und erst einmal das Auto umstellen…

Und Sidney haben wir natürlich auch gegrüßt 😉





Reise durch Nordamerika – Teil 1: Seattle

6 03 2010

Soooooooooooooooorry dass es so lange gedauert hat. Hab mich erst mit dem Windows Movie Maker „geprügelt“ bis er endlich das richtige Video ausgespuckt hat und als ich das dann hochladen wollte hat mir Youtube einen Strich durch die Rechnung gemacht, von wegen Urheberrechtsveletzung… Ich wollte einen Teil der Lieder, die im amerikanischen Radio gespielt wurden, als wir im Auto gefahren sind – und wir sind viel im Auto gefahren 😉 – im Hintergrund des ersten Videos laufen lassen, das scheint jedoch nicht erlaubt zu sein, auch wenn man diese Lieder vorher legal erworben hat…
Daher habe ich stundenlang mit dem amerikanischen Recht diskutiert, ob man die Lieder nach Einhaltung der „Fair Use“-Klausel nicht doch einbinden kann, um es dann doch sein zu lassen. Denn das Bedürfnis „weitere Erfahrungen mit der amerikanischen Exekutive zu sammeln“ ist bei mir vorerst befriedigt.

Anyway (DAS WORT im am. Sprachgebrauch schlecht hin, passt immer, insbesondere wenn man den Faden verloren hat, einem in einem Punkt nicht zustimmt, vom Thema ablenken will, das Gespräch beginnen oder beenden will usw.), der Post wird was kürzer, daher ist das erste Video etwas länger, es fasst die Fahrt nach Seattle zusammen, insbesondere, was wir dort alles gesehen haben.

Seattle wurde gegründet, um San Francisco, das zu der Zeit ca. alle 6 Wochen abgebrannt ist, mit Holz zu versorgen. Doch erst der Goldrausch 1896 brachte Seattle enorme Einnahmen, weil Goldgräber auf dem Weg zum Klondike dort einen Zwischenstopp machten und sich ein Gold-schnüffelndes Schwein andrehen ließen 😉

Wir sind 5 Nächte in Seattle geblieben, dort hatten wir im Vergleich mit den anderen Städten die günstigste Unterkunft, haben 15$ pro Nase und Nacht bezahlt und hatten dafür das geräumigste Zimmer unserer ganzen Reise. Unsere Hausgenossen – die dort seit einer Ewigkeit wohnen – Robert (der Landlord), Chris und Terry, Carl, Kelly und Dan waren alle sehr nett. Lediglich in der Nacht vor der Abreise hatte Dan anscheinend etwas über den Durst getrunken und ist auf dem Weg ins sein Zimmer einige Male gegen die Möbel und Ecken und Kanten des Hause gestoßen, sodass wir von dem lauten Poltern aufgewacht sind. Aber zum Glück kann man sein Zimmer ja abschließen.

Es hat jeden Tag leicht geregnet (anscheinend sind 9 von 12 Monaten Regenmonate), dafür war es trotzdem recht warm. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass der Busservice in der Innenstadt kostenlos ist und ein Tagesticket, mit dem man überall hinkommt, nur 4,50 $ kostet.

Ein letzter Hinweis: Wer vermeiden möchte mumifizierte Menschen zu sehen, der sollte den Abschnitt 1.50-2.07 am besten überspringen. Sorry.

Die Hafenkräne sollen übrigens angeblich George Lukas als Inspiration für die AT-Ats in Star Wars gedient haben…

Das zweite Video zeigt die Rückfahrt nach Seattle nachdem wir zuvor in einem Outlettcenter u.a. 5 Levi’s Jeans für 100$ gekauft haben ;). Es ist schön auf die Skyline zu zufahren und zu sehen, wie die Wolkenkratzer immer größer und größer werden…



So, die weiteren Städte Victoria und Vancouver kommen in den nächsten Tagen, hoffe, dass es nun besser mit dem Programm klappt 😉
Eine Sache noch: Es ist hier so warm, dass ich neulich mit einer Badehose bekleidet zum Schwimmbad hin- und mit einer nassen Badehose zurückgegangen bin. Hatte dummerweise die Jeans vergessen einzupacken, so warm war es 😉





Ein Lebenszeichen!

1 03 2010

Ja, ich weiß, lange ist es her seit ich mich hier gemeldet habe.
Aber (man sollte einen Satz nie mit „aber“ beginnen. Aber ich mache das jetzt mal.) um Ausreden bin ich nicht verlegen: Zum einen war da die geile 12-tägige Reise mit Anne, danach, direkt nach der Rückkehr, drei Midterm-Exams (für die ich letztendlich zu viel gelernt habe – das nennt man „verzockt nur andersherum“) und ein wenig Disziplinlosigkeit war auch dabei. Das i-Tüpfelchen ist die neue Pokersucht, mit der ich gerade stark zu kämpfen habe, gepaart mit neuen, phänomenal genialen Erkenntnissen im Bereich der Verhaltensforschung, genauer gesagt Beziehungspsychologie, noch genauer: „der schnellste Weg aus Unbekannten oder neuen Bekannten Freunde zu machen“, die natürlich ausprobiert werden mussten (das funktioniert so gut, dass hier in dem kleinen Zimmer teilweise bis 2 Uhr morgens reger Betrieb herrscht und ich jetzt wohl dringend neue Erkenntnisse in „Wie werde ich sie los in 3 Tagen?“ brauche :)).

Wie dem auch sei, ich stelle mich schon wieder zu sehr in den Mittelpunkt, dabei sollte es heute doch gar nicht um mich gehen, sondern um Euch!
Ich wollte nämlich sagen:

Vielen Dank!

Vielen Dank dafür, dass Ihr Eure kostbare Zeit regelmäßig für mich opfert, für Euer Interesse und die Anteilnahme (trotz keiner Beiträge in den letzten 2 Wochen, wird die Seite ca. 30 Mal pro Tag aufgerufen, WOW!). Vielen Dank für Eure ermutigenden Kommentare, die mich immer freuen und natürlich motivieren weiterzumachen. Sie haben schon mehrere Male meinen Tag gerettet und ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert 😉
Ich muss zugeben, dass ich niemals damit gerechnet habe so viele treue Leser zu haben. Die positive Resonanz ist einfach überwältigend. Es macht Spaß hier zu leben, beobachten und zu schreiben, insbesondere dann, wenn ich weiß, dass auch wenn Ihr weit weg seid, Eure Gedanken dann und wann trotzdem bei mir sind. Egal was hier passiert, ich kann jeder Zeit einfach zurückkommen und habe eine Familie, die mich (auch als Pokermillionär) wieder aufnimmt. Danke!
Ihr fehlt mir sehr!

Und jetzt, wo ich wieder zurück bin, verspreche ich euch, wird es Einträge hageln. Schließlich muss die Geschichte der Reise erzählt werden, die damit angefangen hat, dass wir an der amerikanischen Grenze nur knapp einer 300$ Strafe entgangen sind…
…und damit endet, dass wir von der kanadischen Polizei aus Vancouver eskortiert wurden…

Und, @Josi, den Kaffeebericht habe ich im Kopf schon so gut wie geschrieben (den Tim Hortons Kaffee habe ich dementsprechend auch schon probiert), muss nur noch abgetippt und veröffentlicht werden! Ich bin mir sicher, du wirst deinen Spaß haben 😉