Essen für 70$ und 4 Stunden, um ein Auto zu mieten, kurz: Lehrgeld gezahlt!

25 01 2010

Ich komm mir hier vor, wie ein Kleinkind im Kindergarten. Es ist unglaublich, wie viel Neues es hier gibt und wie steil die Lernkurve ist. In den letzten Tagen habe ich (oder besser gesagt haben wir) viel Lehrgeld in Form von Zeit und Geld bezahlt.

Fangen wir beim kleineren Übel – dem Geld natürlich (das kann man sich immerhin durch diverse legale und illegale Aktionen/Arbeit wieder zurückholen) – an:
An Anfang steht immer ein Wunsch (ein Ziel). Um dieses zu erreichen, gibt es mehrere Wege (Alternativen/Aktionen). Diese haben alle Vor- und Nachteile bezüglich der drei Parameter: Zeit, Qualität und Ressourcen, z.B. Geld (das ist ein ganz allgemeines Modell, kriegt man in jedem BWL-Kurs beigebracht). So, jetzt sind wir auf dem gleichen Wissensstand.
Unser (Lama’s – immer noch der Kollege aus Nigeria – und mein) bescheidener Wunsch war: etwas Essen zu bekommen.

Wir waren gerade bei einem Billardspiel, als sich das unterste (man kann auch sagen fundamentale) Bedürfnis der Maslow-Pyramide gemeldet hat: der Hunger. Da wir unsere Zeit lieber in weitere Poolspiele investieren wollten (Lama trainiert für ein Poolturnier, das am nächsten Freitag stattfindet), haben wir uns entschlossen, das Essen liefern zu lassen.
Die D.h. Gelbe Seiten aufgeschlagen (ja, die sind hier komischerweise auch gelb), Italiener heraus gesucht (die Qualität sollte gut sein), dort angerufen und 2x Spaghetti mit Fleischbällchen bestellt. Die Preise waren zwar nicht angegeben, wir haben uns aber gedacht, das wird schon nicht so teuer sein…
40 min. später kam die gute Frau dann auch an – mit einem Riesenpaket voller Essen und einer nicht weniger kleinen Rechnung über 73,50 $. Wir staunten natürlich nicht schlecht.

Eine wichtige Lektion, die hier gerne mit euch teile ist die: Man sollte die beiläufig klingende Frage: „Darf’s ich Ihnen noch was dazu tun?“ nicht mit: „Och, ich lass mich da überraschen, suchen Sie sich was schönes aus!“, beantworten. Die Gute hat es etwas zu gut gemeint und noch 2x einen Caesar Salat und 2x Rippchen „dazugetan“.

Das Ergebnis:
Mein Zimmernachbar Obi (auch aus Nigeria) durfte sich über eine Einladung zum Essen freuen (wir hätten noch nicht einmal die Spaghetti alleine aufessen können). Die Rechung haben wir schuld-gerecht aufgeteilt. Und heute, ca. 4 Tage später, bin ich hin- und her gerissen zwischen „das Essen zum 3 Mal aufwärmen und die letzte Portion aufessen“ und „das Essen endgültig wegzuschmeißen“.

Fazit:
Ich habe also gelernt, dass man tatsächlich nicht klar denken kann, wenn der Hunger zu groß ist. Also lieber vorher bestellen, solange man noch keinen Hunger hat.

Das EssenDas Essen

Lektion 2: Der Zeitaufwand.
Diesen kann man sich nicht zurückholen, was man aber machen kann, ist zu versuchen die gesammelten Erkenntnisse auf andere Situationen zu übertragen, um dort Zeit einzusparen.

Die Geschichte fing damit an, dass wir (eine größere Gruppe von 9 Personen) am Samstag Ski fahren jedoch keine 25$ für das Busticket ausgeben wollten (insbesondere musste ich, nach der Aktion vom Vortag, das Geld irgendwie zusammenhalten). Also haben die Mathe-Genies ausgerechnet, dass es günstiger wäre sich zwei Autos für diesen Tag zu mieten und mit dem Auto hinzufahren.
Gesagt getan.

Schön wär’s! Denn das war der Beginn einer langen Odyssee…
Vorbereitung ist das A und O. Also haben wir im Internet den günstigsten Anbieter Avis herausgesucht und zwei lokale Niederlassungen in Kamloops gefunden. Die erste (und nähere) im Zentrum war jedoch laut Internet ausgebucht, die andere am Flughafen hatte zwei Fahrzeuge. Weil wir aber auf dem Weg zum Flughafen eh zum Zentrum gemusst hätten, haben Johannes und ich beschlossen, bei der ersten Niederlassung vorbeizuschauen, so nach dem Motto: die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wir dachten: vielleicht haben die ja doch was für uns und wir können Zeit sparen (an dieser Stelle – wo wir beim Thema „Zeit sparen“ sind – hätte ich an eine Lektion aus frühren Tagen denken müssen: als ich noch keinen Führerschein hatte und mit dem Fahrrad zu Anne gefahren bin (ca. 7 km) habe ich mehrmals versucht eine Abkürzung durch den Wald zu nehmen, um Zeit zu sparen, ich bin dann jedes Mal ca. 30 min später angekommen, entweder, weil der Weg länger war, weil ich umdrehen und zurückfahren musste oder weil ich – nachdem ich einen Fluss überquert hatte und klitschnass war – an einer Stelle herauskam, die vom Ziel noch weiter entfernt war, als die Abzweigung an der die „Abkürzung“ anfing… – jedenfalls ist das immer nach hinten losgegangen).

Wir sind um 13.00 los, ich musste um 15.30 zu einem Meeting, wegen einer Präsentation, aber 2,5 h sollten ja eigentlich mehr als genug sein.
Dort angekommen (der Weg dorthin war länger als erwartet – wir haben mehr als 1 Stunde verplempert) standen wir vor einer geschlossenen Tür und einem leeren Parkplatz. Ein Anruf hätte uns all das ersparen können –aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer.

Also sind wir wieder zurück zum Busbahnhof und wollten dort einen Bus nehmen. Dieser würde aber erst in einer Stunde kommen, daher hat uns eine Busfahrerin einen Bus empfohlen, der uns in die Nähe des Flughafens bringen würde. Es da gäbe wohl einen neuen Weg – wir müssten nur den Flugzeugen folgen (im Nachhinein haben wir gesehen, dass dort ca. alle 2 Stunden ein Flugzeug ankommt)…

Diesen Weg gab es aber nicht – nachdem wir mitten im Nirgendwo herausgelassen wurden, mussten wir über eine Wiese latschen, begleitet von der Angst von einer Schlange gebissen zu werden.
Nach weiteren Stunden (wir hatten mittlerweile 16.00 das Meeting konnte ich vergessen) kamen wir dann doch an. Dort mussten wir noch eine weitere Stunde warten, um das Auto nach 17.00 zu mieten (dadurch konnten wir es am Folgetag länger als 24h behalten ohne dafür mehr zahlen zu müssen, d.h. länger Ski fahren). Wenigstens hat die nette Dame davon abgesehen, eine höhere Gebühr zu berechnen (da wir unter 25 Jahren sind), sonst hätten wir das Doppelte bezahlen müssen und hätten gar keine Ersparnis mehr. Kurz: der Tag wäre dann völlig im Eimer gewesen.

Der lange WegDer lange WegDer lange WegDer lange Weg
Der lange WegDer lange Weg
Der lange WegDer lange WegDer lange Weg

So sind wir zumindest um 17.45 nicht gerade glücklich aber sagen wir mal zufrieden und im kurzfristigen Besitz zweier Autos am Kampus angekommen und hatten 15 Minuten Zeit unsere Sachen für’s Night Tubing zu packen. Aber das ist eine andere Geschichte…

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One response

25 01 2010
Kati

…auf die ich mich dann schon freue 🙂

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