Wochenende – erst Kultur- dann Kälteschock

20 01 2010

Bitte versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, dass das ganze Auslandssemester schockierend ist (auch wenn es immer wieder einige Ereignisse gibt, die man definitiv als schockierend bezeichnen kann). Ich versuche lediglich die Geschichten heraus zu picken, die für euch interessant sind. Und das sind dann nun mal die dramatischen, traurigen, spannenden, romantischen, emotionalen, lustigen oder eben schockierenden Ereignisse.

So hatten wir zum Beispiel am Donnerstagabend ein echt leckeres Barbecue gehabt (das Haus war plötzlich total voll und man konnte sehen, wie viele Studenten hier wirklich wohnen, sich jedoch nie blicken lassen). Aber eben weil alles glatt gegangen ist, sich keiner verschluckt, übergeben, geprügelt hat; oder weil es keine öffentlichen Heiratsanträge (die dann abgelehnt wurden) zu sehen gab , ist die Geschichte doch auch nicht erzählenswert.

Was schon eher interessanter sein könnte ist eine erniedrigende Niederlage beim Billard, die ich am Donnerstagabend im Heroes (die Studentenkneipe) gegen eine ca. 4 Jahre jüngere (sagen wir mal) Frau erleiden musste und das vor all den neuen Freunden.
Das versucht man sich erfolgreich beim Trinken zurückzuhalten, um nicht negativ aufzufallen und sein Gesicht zu verlieren und dann so was…

Kulturschock

Jetzt aber zum eigentlichen Teil, hab mich so langsam warm geschrieben (so etwas gibt es übrigens tatsächlich). Ein paar Tage zuvor hat mich Lama (ja, das ist sein Vorname), ein recht guter Freund aus Nigeria, zu einem Maskenball eingeladen. Es gab jedoch einen Dresscode, man musste Businesskleidung tragen. Also habe ich am Freitagmittag einen Anzug, ein Hemd, einen Gürtel und ein Paar Schuhe gekauft, für ca. 150$ (eine teure Party was ;), nee ich brauche die Sachen auch für die folgenden Präsentationen, daher war das für unsere Verhältnisse eigentlich schon wieder ein Schnäppchen). Und dann sind wir (Lama, Angela, Bobby (er hat natürlich auch für weibliche Begleitung gesorgt, der Schlawiner…) und ich) abends um 22.00 losgefahren….
Ich kann nur sagen, er hätte uns besser vor-gewarnt! Dort angekommen habe ich nämlich meinen zweiten Kulturschock erleiden müssen. Ich würde mich sogar soweit aus dem Fenster hinaus lehnen und behaupten, dass dieser sogar schlimmer als der erste gewesen ist: mit dem ersten hatte ich ja gerechnet, ist klar, dass die Kanadier anders ticken, aber damit…
…ich habe noch nie in meinem Leben so viele Farbige (es gab ca. 3 “weiße” Männer und ca. 7 Frauen) auf einer Party gesehen (das Gleiche muss Anne wahrscheinlich durchgemacht haben, als sie zum ersten eine Geburtstagsparty bei uns mitgemacht hat ;)). Es war einfach eine komplett andere Welt. Nicht nur, dass sie sich anders kleiden (Kleider in allen Farben und dann Größen, die teilweise keinen Raum mehr für die Fantasie lassen…), die Art wie sie auftreten, kommunizieren usw. war mir einfach viel zu fremd. Ohne das abwerten zu wollen, ich war einfach schockiert und fühlte mich am falschen Platz.
Wie dem auch sei, die Bilder sind schön geworden ;).

Kälteschock.

Nach so einem Abend brauchte man natürlich eine ordentliche Abkühlung.
Da war ich natürlich sehr dankbar darüber, dass die deutschen Mädels (ja, ich unternehme doch auch ab und zu was mit den „Germans“ – wir haben aber auch Kanadier, Nigerianer und einen Finnen in der Gruppe, OK?) auf die verrückte Idee gekommen sind, mitten im kanadischen (wenn auch bisher milden) Winter im Thompson River baden zu gehen. Bekloppt wie ich bin (oder waren es diese angeblichen „männlichen“ Gene, die einen Mann dazu bringen die dümmsten Dinge machen lassen, nur um andere (insbesondere Frauen) zu beeindrucken? – Nein, das habe ich nicht nötig!), war ich natürlich mit dabei…
…und kaum blinzelt man, steht man plötzlich bis auf die Badehose komplett ausgezogen, vor Kälte zitternd und bibbernd, vor dem zum Teil vereisten Flussbett und fragt sich, wo bin ich hier und vor allem:
WAS TUE ICH HIER???

Machen wir es kurz: Es nützte alles nichts, einmal dort angekommen, gab es kein zurück mehr. Die Chancen zu erkranken habe ich zuvor auf 50:50 eingeschätzt, damit konnte ich leben. Also sind wir rein…
… und mussten sofort unsere Vorsätze „laaaangsaam rein zu gehen, um keinen Schock zu erleiden“, aufgeben und mit vollem Körper direkt eintauchen.
Was für eine Erfahrung!
Ich kann euch gar nicht beschreiben, wie kalt es war, weil ich keine Erinnerung daran habe. Auch nicht daran, wie ich wieder herausgekommen bin. Ich weiß nur, wie ich wieder draußen stand und mich dann erst umsehen konnte, wo die anderen bleiben (zuvor waren sie mir so was von egal). Es war für mich erstaunlich, wie das Gehirn in solchen extremen Situationen, alles ausblendet und dafür sorgt, dass du da gefälligst sofort wieder heraus kommst (ja, in solchen Situationen ist das Gehirn wie eine strenge Mutter). Du kannst echt keinen klaren Gedanken fassen, gar nichts.
Wer also mal den Kopf freikriegen möchte – probiert es einfach mal aus. Es funktioniert auf jeden Fall ;).

Interessant war auch, dass uns danach, als wir wieder draußen waren und uns abtrockneten, plötzlich warm war. Wo wir zuvor noch gezittert haben und möglichst schnell ins Wasser wollten, um es hinter uns zu bringen, standen wir später da und konnten uns echt Zeit lassen, weil es einfach so warm war.
Wären da nicht die Füße gewesen, die entweder furchtbar brannten, als würde man im Feuer stehen, oder völlig taub waren, dass man sie gar nicht gespürt hat. Das hat uns dann doch dazu bewegt, nicht ein zweites Mal herein zu gehen (diesen Vorschlag hat es gegeben – ich sag aber nichtk von wem er war).
Die heiße Schokolade bei Tom Hortons (keine Sorge Josi, es war kein Kaffee) hat uns dann aufgewärmt und fast für alles entschädigt.

Im Übrigen hatte ich mich mit meiner Einschätzung geirrt, wie es aussieht ist wohl keiner krank geworden. Schade.

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7 responses

20 01 2010
Alexey

Haben die Germans vor dem Baden wenigstens was getrunken? Sonst wäre das ja wirklich keine gute Idee für diese Jahreszeit.

20 01 2010
Ivan

Nee, nur die heiße Schokolade danach…

20 01 2010
Josi

Viele Grüße an deine strenge Mutter! Wieder sehr amüsant, deine Berichterstattung!

Ps.: MIr ist wieder eingefallen, was du mir unbedingt mitbringen MUSST. Ähä. Wenn du das nächste mal in einem Drugstore bist, halte doch bitte mal Nagellackentferner ausschau. Den gibt es dort in Dosen: Finger rein, einmal drehen, Nagellack weg. Glaube, die Farbe der Dose war weiß-organe. Solltest du das mal durch Zufall entdecken: bitte der Josi mitbringen!!!! Bitte bitte bitte. Dann darfst du auch im Sommer mit so vielen A/B-Tests ankommen, wie du nur magst. 😉

20 01 2010
Ivan

Die strenge Mutter hat mich heute erneut um 6.30 Uhr aus dem Bett geholt…

Ich werde mal danach Ausschau halten, OK? – aber nicht, dass du das mit dem Angebot noch bereust…;)

20 01 2010
Josi

Hast du den TH Coffee mal probiert? Bitte um genaue Analsyse und einen Bericht!

20 01 2010
Matthäus

Yo Ivan du Checka von Mecka 😉

das sind ja mal richtig richtig geile Erlebnisse die du da hast!

aber das mit dem schwimmen dürfte ja für dich, der bei eisigen Temperaturen im Pulli rumläuft kein Problem gewesen sein 😛

Gruß

Matt

20 01 2010
Ivan

Hey, schön dass du dich meldest!!!

Also im Nachhinein war das echt geil. Müssen wir eigentlich wiederholen (baden im Fluss).
Ich hoffe, dass du genauso viel Spaß haben wirst, wie ich 😉

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