1/4 der Zeit ist um – Zwischenbilanz

31 01 2010

Wie schnell doch die Zeit in Kanada vergeht. Vier Wochen des Auslandsemesters sind schon rum, ich habe vieles gesehen und erlebt, vieles gelernt und einiges vergessen ;). Wenn man plötzlich anfängt auf Englisch zu denken, dann merkt man auch, dass die Veränderung, von der ich zu Beginn gesprochen habe, tatsächlich stattfindet. Die Träume sind noch glücklicherweise auf Deutsch…
Wie dem auch sei, es ist Zeit auf die Ziele zu schauen und eine erste Bilanz zu ziehen. Das ist nämlich eines der wichtigsten Dinge, nicht nur im Ausland, sondern generell im Leben: man darf die Ziele nicht aus den Augen lassen! Und nicht vergessen, warum und wozu man wo und mit wem ist. Das heißt nicht, dass man sich verzweifelt an jedes sinkende Schiff krallen muss, es ist durchaus sinnvoll, die Ziele zu hinterfragen und ggf. anzupassen, trotzdem lohnt es sich, darum zu kämpfen, auch wenn einige den Kopf schütteln und gehen würden…

So denkt Will Smith (ein unglaublicher Mensch) darüber:

Jetzt aber zu meinen Zielen:

1. Teilnahme an den Olympischen Spielen in Vancouver im Februar

Nun ja, was soll ich sagen? ICH HABE 2 TICKETS BEKOMMEN ;)!!! Und zwar für das Eishockeyspiel Deutschland – Weißrussland. Das passt insofern ganz gut, als dass viele Verwandte in Weißrussland habe – trotzdem werde ich uns natürlich die Daumen drücken ;).

2. Kennenlernen vieler verschiedener Studenten aus verschiedenen Ländern

Abgehackt. Das war ja viel leichter, als ich gedacht habe. Neben einigen fantastischen kanadischen und deutschen Freunden, darf ich auch mehrere Jungen aus Nigeria, Asien und einen ganz interessanten Jungen aus Finnland zu meinen Freunden zählen (wer der finnischen Sprache mächtig ist, kann auch gerne seinen Blog verfolgen – ich habe aus Spaß ein paar seiner Einträge auf Facebook mit Google übersetzen lassen, das funktionierte auch einigermaßen, lediglich mit meinen Antworten auf Finnisch kam er dann nicht zurecht…). Und außerdem – ganz wichtig – noch ein Mädchen aus Österreich. Hier gibt es glaub ich die größten Kommunikationsschwierigkeiten (nämlich dann, wenn sie mit mir auf Deutsch spricht – andersherum, ich hatte sicherheitshalber nachgefragt, kann sie mich aber überraschenderweise ganz gut verstehen). Glücklicherweise sprechen wir meistens auf Englisch, dann geht’s.
Die entsprechenden Erfahrungen und Erkenntnisse über die jeweiligen Kulturen gibt es dann in einem anderen Beitrag.

3. Ski fahren, ohne ernsthafte Verletzungen

Einmal ist kein Mal. Hier muss ich noch nach wie vor aufpassen. Nächstes Wochenende werde ich das Risiko vermutlich erneut auf mich nehmen ;).

4. Teilnahme an einem Run der Hash House Harriers

Angemeldet habe ich mich mittlerweile – jedoch ist noch nichts zurückgekommen…mal sehen, ist ja noch genug Zeit.

5. Bestehen der 5 Kurse an der TRU

Na gut, es sind nur noch 4 Kurse (ein bisschen Verlust ist immer), die haben es aber ordentlich in sich. Nächste Woche stehen 2 Präsentationen, eine Gruppendebatte, ein schriftlicher Test und die Abgabe einer Hausarbeit an… Meine Strategie?! Ich versuch mich von den Einheimischen einfach durchschleppen zu lassen 😉

Fazit:
Alles in Allem kann man glaub ich sagen, es läuft sehr gut. Mir geht es ganz gut – psychisch und physisch (die Leute von der Auslandskrankenversicherung werden sich die Hände reiben…). Ich freue mich auf die nächsten Wochen (insbesondere auf den Besuch von ANNE ;)) und Tage. Auch wenn mir Freunde, Familie und Arbeit sehr fehlen (ich kann es kaum erwarten, wieder richtig durch zu starten und – hoffentlich – Berge zu versetzen…).

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Sun Peaks oder anders gesagt: Hals und Beinbruch

28 01 2010

Also bisher bin ich ja drei Mal Ski gefahren – jedes Mal in der Neusser Halle. Daher sollte das mein erstes Mal auf der richtigen Piste sein…

Hochmotiviert sind wir mit der Sonne aufgestanden und haben uns mit den zwei gemieteten Autos auf den Weg gemacht (Risikofreudig wie wir sind, haben wir auf eine zusätzliche Versicherung verzichtet – die hätte den Preis von 30$ verdoppelt – und hätten somit für jeglichen Schaden, der durch uns, Dritte oder äußere Umstände entstanden wäre, selbst tragen müssen. Und jetzt ratet mal, was auf der Rückfahrt passiert ist…(make an educated guess würde Malkovich sagen)…) … Ja, genau, es ist natürlich nichts passiert – gute Entscheidung diesmal ;).

Ich musste schon schlucken, als ich die steilen Hänge vom Lift aus betrachtet habe. Dagegen ist die Piste im bescheidenen Neuss nicht mehr als eine Kinderrutsche auf einem Spielplatz. Und dann hab ich mich auch noch von Maria dazu überreden lassen die blaue Piste zu nehmen (bin die ersten drei Male mit ihr zusammengefahren (na gut zusammengefahren kann man nicht wirklich sagen, wir sind mehr oder weniger die gleiche Strecke gefahren und sie musste immer im Tal auf mich warten, weil ich die doppelte Zeit dafür gebraucht habe)– die anderen waren alle mit einem Snowboard unterwegs (jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir ein, dass das eigentlich gar kein Grund ist/war nicht zusammen zu fahren – aber am Samstag, war es eben einer ;)). Jedenfalls hat sie gesagt, dass sie auch nicht sooo gut ist, aber dass die blauen Pisten harmlos sind…
Von wegen nicht sooo gut (typische weibliche Bescheidenheit, auf die ich hereingefallen bin) – sie kommt aus Österreich und ist mit Skiern mehr oder weniger aufgewachsen…
…und von wegen “die blauen Pisten sind harmlos…

Ich hab mich überschätzt (wie sollte es auch anders sein) und war heilfroh, als ich mehr oder weniger in einem Stück unten angekommen bin…ich hätte vor allem nie gedacht, dass die Piste so lang ist (man hatte ich einen Muskelkater, und das bereits nach der ersten Abfahrt).

Wie auch immer, wir sind selbstverständlich direkt wieder hoch und haben die nächste blaue Piste genommen (nach dem Motto: schlimmer kann’s nicht mehr werden – kennt ihr die Serie „Die Dinos“? Das Baby der Familie Sinclair war doch immer so erpicht darauf durch die Luft geworfen zu werden und hat immer, nachdem es sich weh getan hat gerufen: “Nochmal, nochmal…”, so habe ich mich dann auch gefühlt ;))…

Die Dinos

Es war echt cool! Mir könnte jedoch ein Besuch im Fitnesscenter nicht schaden, damit ich beim nächsten Mal nicht 4x während der Abfahrt eine Pause einlegen muss…

Naja, wenigstens bin ich nicht auf die Idee gekommen mich auf ein Snowboard zu stellen (zweite Richtige Entscheidung, neben der, keine Versicherung abzuschließen). Sonst hätte ich jetzt womöglich furchtbare Schmerzen am Steißbein 😉







Night Tubing am Harper Mountain

25 01 2010

Ich merke meine Einträge werden länger und länger – wir müssen dem irgendwie entgegenwirken, um den Leser nicht zu verlieren (Ich hab schon die Aufforderung gehört: statt zu Schreiben lieber „mehr zu [Trinken]“ (sehe ich auf den Bildern so durstig aus ;)?). Daher habe ich einen Teil der Tubing-Geschichte in ein Video gepackt (da meine Kenntnisse und Fähigkeiten diesbezüglich jedoch begrenzt sind habe ich dafür länger gebraucht, als für einen Beitrag mit ca. 500 Wörtern). Trotzdem hoffe ich, dass es den Spaß, den wir beim „Hügel-mit-einem-Gummireifen-herunterfahren“ hatten, gut herüberbringen kann…

…das Video hätte genauso gut den Titel „Oh mein Gott“ verdient gehabt – da ich aber möglichst darauf verzichten will, hier öffentlich politische oder religiöse Stellungen zu beziehen, nennen wir es Night-Tubing 😉

Wir hatten wirklich viel Spaß gehabt und viel gelacht (und zwischendurch Hot Dogs und Marshmallows am Lagerfeuer gemacht – die Reise war von „On Campus Housing“ organisiert, wir waren ca. 30 Personen). Etwas blamabel war das „Alle-meine-Entchen-Singen“ im Auto auf dem Weg dorthin (wir hatten 5 Nationen im Auto und jede davon sollte ein Lied des Landes singen…).
Das Lachen (wie sollte es auch anders sein ;)) ist uns dann vergangen, als Johannes nach mehrfachem Durchforsten seiner Jacken- und Hosentaschen, sein Handy nicht mehr finden konnte…
Dieses ist mittlerweile jedoch aufgetaucht und es funktioniert auch noch (trotz einer Nacht im Schnee/Heu), also Entwarnung.


Nach dem Tubing sind wir mit dem Auto aus Kamloops heraus gefahren (schließlich muss man es ja auskosten, wenn man in den seltenen Genuss kommt ein Auto zu haben) und haben uns die Sterne angeschaut (und Muffins (bzw. Kuhfladen, um Johannes Worte zu wählen – es waren die leckersten Kuhfladen gewesen, die ich je gegessen habe) gegessen). Dabei sind diese Bilder entstanden.


Außerdem der Beweis, dass ich bei meiner Arbeit (Dokumentation der Ereignisse) massiv gestört werde (darüber habe ich mich jetzt öffentlich beschwert! – also lasst das gefälligst sein!). Wollte nämlich den Mond filmen und wurde hinterrücks von hinten geschubst (Täter ist nach wie vor unbekannt und/oder auf der Flucht):

Am nächsten Tag (Samstag) sollten wir dann endlich Ski bzw. Snowboard fahren…





Essen für 70$ und 4 Stunden, um ein Auto zu mieten, kurz: Lehrgeld gezahlt!

25 01 2010

Ich komm mir hier vor, wie ein Kleinkind im Kindergarten. Es ist unglaublich, wie viel Neues es hier gibt und wie steil die Lernkurve ist. In den letzten Tagen habe ich (oder besser gesagt haben wir) viel Lehrgeld in Form von Zeit und Geld bezahlt.

Fangen wir beim kleineren Übel – dem Geld natürlich (das kann man sich immerhin durch diverse legale und illegale Aktionen/Arbeit wieder zurückholen) – an:
An Anfang steht immer ein Wunsch (ein Ziel). Um dieses zu erreichen, gibt es mehrere Wege (Alternativen/Aktionen). Diese haben alle Vor- und Nachteile bezüglich der drei Parameter: Zeit, Qualität und Ressourcen, z.B. Geld (das ist ein ganz allgemeines Modell, kriegt man in jedem BWL-Kurs beigebracht). So, jetzt sind wir auf dem gleichen Wissensstand.
Unser (Lama’s – immer noch der Kollege aus Nigeria – und mein) bescheidener Wunsch war: etwas Essen zu bekommen.

Wir waren gerade bei einem Billardspiel, als sich das unterste (man kann auch sagen fundamentale) Bedürfnis der Maslow-Pyramide gemeldet hat: der Hunger. Da wir unsere Zeit lieber in weitere Poolspiele investieren wollten (Lama trainiert für ein Poolturnier, das am nächsten Freitag stattfindet), haben wir uns entschlossen, das Essen liefern zu lassen.
Die D.h. Gelbe Seiten aufgeschlagen (ja, die sind hier komischerweise auch gelb), Italiener heraus gesucht (die Qualität sollte gut sein), dort angerufen und 2x Spaghetti mit Fleischbällchen bestellt. Die Preise waren zwar nicht angegeben, wir haben uns aber gedacht, das wird schon nicht so teuer sein…
40 min. später kam die gute Frau dann auch an – mit einem Riesenpaket voller Essen und einer nicht weniger kleinen Rechnung über 73,50 $. Wir staunten natürlich nicht schlecht.

Eine wichtige Lektion, die hier gerne mit euch teile ist die: Man sollte die beiläufig klingende Frage: „Darf’s ich Ihnen noch was dazu tun?“ nicht mit: „Och, ich lass mich da überraschen, suchen Sie sich was schönes aus!“, beantworten. Die Gute hat es etwas zu gut gemeint und noch 2x einen Caesar Salat und 2x Rippchen „dazugetan“.

Das Ergebnis:
Mein Zimmernachbar Obi (auch aus Nigeria) durfte sich über eine Einladung zum Essen freuen (wir hätten noch nicht einmal die Spaghetti alleine aufessen können). Die Rechung haben wir schuld-gerecht aufgeteilt. Und heute, ca. 4 Tage später, bin ich hin- und her gerissen zwischen „das Essen zum 3 Mal aufwärmen und die letzte Portion aufessen“ und „das Essen endgültig wegzuschmeißen“.

Fazit:
Ich habe also gelernt, dass man tatsächlich nicht klar denken kann, wenn der Hunger zu groß ist. Also lieber vorher bestellen, solange man noch keinen Hunger hat.

Das EssenDas Essen

Lektion 2: Der Zeitaufwand.
Diesen kann man sich nicht zurückholen, was man aber machen kann, ist zu versuchen die gesammelten Erkenntnisse auf andere Situationen zu übertragen, um dort Zeit einzusparen.

Die Geschichte fing damit an, dass wir (eine größere Gruppe von 9 Personen) am Samstag Ski fahren jedoch keine 25$ für das Busticket ausgeben wollten (insbesondere musste ich, nach der Aktion vom Vortag, das Geld irgendwie zusammenhalten). Also haben die Mathe-Genies ausgerechnet, dass es günstiger wäre sich zwei Autos für diesen Tag zu mieten und mit dem Auto hinzufahren.
Gesagt getan.

Schön wär’s! Denn das war der Beginn einer langen Odyssee…
Vorbereitung ist das A und O. Also haben wir im Internet den günstigsten Anbieter Avis herausgesucht und zwei lokale Niederlassungen in Kamloops gefunden. Die erste (und nähere) im Zentrum war jedoch laut Internet ausgebucht, die andere am Flughafen hatte zwei Fahrzeuge. Weil wir aber auf dem Weg zum Flughafen eh zum Zentrum gemusst hätten, haben Johannes und ich beschlossen, bei der ersten Niederlassung vorbeizuschauen, so nach dem Motto: die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wir dachten: vielleicht haben die ja doch was für uns und wir können Zeit sparen (an dieser Stelle – wo wir beim Thema „Zeit sparen“ sind – hätte ich an eine Lektion aus frühren Tagen denken müssen: als ich noch keinen Führerschein hatte und mit dem Fahrrad zu Anne gefahren bin (ca. 7 km) habe ich mehrmals versucht eine Abkürzung durch den Wald zu nehmen, um Zeit zu sparen, ich bin dann jedes Mal ca. 30 min später angekommen, entweder, weil der Weg länger war, weil ich umdrehen und zurückfahren musste oder weil ich – nachdem ich einen Fluss überquert hatte und klitschnass war – an einer Stelle herauskam, die vom Ziel noch weiter entfernt war, als die Abzweigung an der die „Abkürzung“ anfing… – jedenfalls ist das immer nach hinten losgegangen).

Wir sind um 13.00 los, ich musste um 15.30 zu einem Meeting, wegen einer Präsentation, aber 2,5 h sollten ja eigentlich mehr als genug sein.
Dort angekommen (der Weg dorthin war länger als erwartet – wir haben mehr als 1 Stunde verplempert) standen wir vor einer geschlossenen Tür und einem leeren Parkplatz. Ein Anruf hätte uns all das ersparen können –aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer.

Also sind wir wieder zurück zum Busbahnhof und wollten dort einen Bus nehmen. Dieser würde aber erst in einer Stunde kommen, daher hat uns eine Busfahrerin einen Bus empfohlen, der uns in die Nähe des Flughafens bringen würde. Es da gäbe wohl einen neuen Weg – wir müssten nur den Flugzeugen folgen (im Nachhinein haben wir gesehen, dass dort ca. alle 2 Stunden ein Flugzeug ankommt)…

Diesen Weg gab es aber nicht – nachdem wir mitten im Nirgendwo herausgelassen wurden, mussten wir über eine Wiese latschen, begleitet von der Angst von einer Schlange gebissen zu werden.
Nach weiteren Stunden (wir hatten mittlerweile 16.00 das Meeting konnte ich vergessen) kamen wir dann doch an. Dort mussten wir noch eine weitere Stunde warten, um das Auto nach 17.00 zu mieten (dadurch konnten wir es am Folgetag länger als 24h behalten ohne dafür mehr zahlen zu müssen, d.h. länger Ski fahren). Wenigstens hat die nette Dame davon abgesehen, eine höhere Gebühr zu berechnen (da wir unter 25 Jahren sind), sonst hätten wir das Doppelte bezahlen müssen und hätten gar keine Ersparnis mehr. Kurz: der Tag wäre dann völlig im Eimer gewesen.

Der lange WegDer lange WegDer lange WegDer lange Weg
Der lange WegDer lange Weg
Der lange WegDer lange WegDer lange Weg

So sind wir zumindest um 17.45 nicht gerade glücklich aber sagen wir mal zufrieden und im kurzfristigen Besitz zweier Autos am Kampus angekommen und hatten 15 Minuten Zeit unsere Sachen für’s Night Tubing zu packen. Aber das ist eine andere Geschichte…





Wochenende – erst Kultur- dann Kälteschock

20 01 2010

Bitte versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, dass das ganze Auslandssemester schockierend ist (auch wenn es immer wieder einige Ereignisse gibt, die man definitiv als schockierend bezeichnen kann). Ich versuche lediglich die Geschichten heraus zu picken, die für euch interessant sind. Und das sind dann nun mal die dramatischen, traurigen, spannenden, romantischen, emotionalen, lustigen oder eben schockierenden Ereignisse.

So hatten wir zum Beispiel am Donnerstagabend ein echt leckeres Barbecue gehabt (das Haus war plötzlich total voll und man konnte sehen, wie viele Studenten hier wirklich wohnen, sich jedoch nie blicken lassen). Aber eben weil alles glatt gegangen ist, sich keiner verschluckt, übergeben, geprügelt hat; oder weil es keine öffentlichen Heiratsanträge (die dann abgelehnt wurden) zu sehen gab , ist die Geschichte doch auch nicht erzählenswert.

Was schon eher interessanter sein könnte ist eine erniedrigende Niederlage beim Billard, die ich am Donnerstagabend im Heroes (die Studentenkneipe) gegen eine ca. 4 Jahre jüngere (sagen wir mal) Frau erleiden musste und das vor all den neuen Freunden.
Das versucht man sich erfolgreich beim Trinken zurückzuhalten, um nicht negativ aufzufallen und sein Gesicht zu verlieren und dann so was…

Kulturschock

Jetzt aber zum eigentlichen Teil, hab mich so langsam warm geschrieben (so etwas gibt es übrigens tatsächlich). Ein paar Tage zuvor hat mich Lama (ja, das ist sein Vorname), ein recht guter Freund aus Nigeria, zu einem Maskenball eingeladen. Es gab jedoch einen Dresscode, man musste Businesskleidung tragen. Also habe ich am Freitagmittag einen Anzug, ein Hemd, einen Gürtel und ein Paar Schuhe gekauft, für ca. 150$ (eine teure Party was ;), nee ich brauche die Sachen auch für die folgenden Präsentationen, daher war das für unsere Verhältnisse eigentlich schon wieder ein Schnäppchen). Und dann sind wir (Lama, Angela, Bobby (er hat natürlich auch für weibliche Begleitung gesorgt, der Schlawiner…) und ich) abends um 22.00 losgefahren….
Ich kann nur sagen, er hätte uns besser vor-gewarnt! Dort angekommen habe ich nämlich meinen zweiten Kulturschock erleiden müssen. Ich würde mich sogar soweit aus dem Fenster hinaus lehnen und behaupten, dass dieser sogar schlimmer als der erste gewesen ist: mit dem ersten hatte ich ja gerechnet, ist klar, dass die Kanadier anders ticken, aber damit…
…ich habe noch nie in meinem Leben so viele Farbige (es gab ca. 3 “weiße” Männer und ca. 7 Frauen) auf einer Party gesehen (das Gleiche muss Anne wahrscheinlich durchgemacht haben, als sie zum ersten eine Geburtstagsparty bei uns mitgemacht hat ;)). Es war einfach eine komplett andere Welt. Nicht nur, dass sie sich anders kleiden (Kleider in allen Farben und dann Größen, die teilweise keinen Raum mehr für die Fantasie lassen…), die Art wie sie auftreten, kommunizieren usw. war mir einfach viel zu fremd. Ohne das abwerten zu wollen, ich war einfach schockiert und fühlte mich am falschen Platz.
Wie dem auch sei, die Bilder sind schön geworden ;).

Kälteschock.

Nach so einem Abend brauchte man natürlich eine ordentliche Abkühlung.
Da war ich natürlich sehr dankbar darüber, dass die deutschen Mädels (ja, ich unternehme doch auch ab und zu was mit den „Germans“ – wir haben aber auch Kanadier, Nigerianer und einen Finnen in der Gruppe, OK?) auf die verrückte Idee gekommen sind, mitten im kanadischen (wenn auch bisher milden) Winter im Thompson River baden zu gehen. Bekloppt wie ich bin (oder waren es diese angeblichen „männlichen“ Gene, die einen Mann dazu bringen die dümmsten Dinge machen lassen, nur um andere (insbesondere Frauen) zu beeindrucken? – Nein, das habe ich nicht nötig!), war ich natürlich mit dabei…
…und kaum blinzelt man, steht man plötzlich bis auf die Badehose komplett ausgezogen, vor Kälte zitternd und bibbernd, vor dem zum Teil vereisten Flussbett und fragt sich, wo bin ich hier und vor allem:
WAS TUE ICH HIER???

Machen wir es kurz: Es nützte alles nichts, einmal dort angekommen, gab es kein zurück mehr. Die Chancen zu erkranken habe ich zuvor auf 50:50 eingeschätzt, damit konnte ich leben. Also sind wir rein…
… und mussten sofort unsere Vorsätze „laaaangsaam rein zu gehen, um keinen Schock zu erleiden“, aufgeben und mit vollem Körper direkt eintauchen.
Was für eine Erfahrung!
Ich kann euch gar nicht beschreiben, wie kalt es war, weil ich keine Erinnerung daran habe. Auch nicht daran, wie ich wieder herausgekommen bin. Ich weiß nur, wie ich wieder draußen stand und mich dann erst umsehen konnte, wo die anderen bleiben (zuvor waren sie mir so was von egal). Es war für mich erstaunlich, wie das Gehirn in solchen extremen Situationen, alles ausblendet und dafür sorgt, dass du da gefälligst sofort wieder heraus kommst (ja, in solchen Situationen ist das Gehirn wie eine strenge Mutter). Du kannst echt keinen klaren Gedanken fassen, gar nichts.
Wer also mal den Kopf freikriegen möchte – probiert es einfach mal aus. Es funktioniert auf jeden Fall ;).

Interessant war auch, dass uns danach, als wir wieder draußen waren und uns abtrockneten, plötzlich warm war. Wo wir zuvor noch gezittert haben und möglichst schnell ins Wasser wollten, um es hinter uns zu bringen, standen wir später da und konnten uns echt Zeit lassen, weil es einfach so warm war.
Wären da nicht die Füße gewesen, die entweder furchtbar brannten, als würde man im Feuer stehen, oder völlig taub waren, dass man sie gar nicht gespürt hat. Das hat uns dann doch dazu bewegt, nicht ein zweites Mal herein zu gehen (diesen Vorschlag hat es gegeben – ich sag aber nichtk von wem er war).
Die heiße Schokolade bei Tom Hortons (keine Sorge Josi, es war kein Kaffee) hat uns dann aufgewärmt und fast für alles entschädigt.

Im Übrigen hatte ich mich mit meiner Einschätzung geirrt, wie es aussieht ist wohl keiner krank geworden. Schade.





News aus Kanada vor dem Wochenende

15 01 2010

1. Präsentation gut überstanden
Trotz schlechtester Bedingungen (Wenig Schlaf, weil um 23.00 Uhr ein Freund aus Nigeria an meine Tür geklopft hat und um Unterstützung bei einer Statistikaufgabe gebeten hat, die er bis zum nächsten Morgen abgeben musste (ich dachte ja die Deutschen machen alles auf den letzten Drücker) und bei welcher er überhaupt nicht weiter wusste. Also sind wir zu ihm hin und haben uns da noch mal eingelesen und die Aufgabe auch gelöst (Mathe LK sei Dank – da soll einer sagen, dass Mathe für Geschäftsbeziehungen nicht benötigt wird); jedenfalls war ich so um 2.00 Im Bett und musste um 7.00 aufstehen. Am nächsten Morgen hat mein Bügeleisen just in dem Moment den Geist aufgegeben und ist über dem Pulli ausgelaufen, sodass ich 25 min. vor der Präsi einen fetten nassen Fleck auf der Brust hatte und keinen Föhn o.ä. …) hat alles gut geklappt – die Dozentin (die sich sonst unter Kontrolle zu halten weiß) hat sich spontan zu einer Äußerung hinreißen lassen: Sehr gut.

Hier waren die vorherigen Semester an der EUFH sehr hilfreich.
Meine kanadischen Kollegen waren viel nervöser und haben teilweise am Pult geklebt und man konnte von der Seite sehen, wie die Hände so richtig gezittert haben (beim Vortragen). Andere, glücklicherweise nicht aus unserer Gruppe, hatten bei der Präsentation eine Kappe oder Mütze an, die Hände in den Hosentaschen und/oder haben sich die ganze Zeit mit der Leinwand unterhalten. So konnte ich durch atmen und freue mich nun auf die folgenden 7 (hatte mich nämlich verzählt (Mathe wohl doch nicht so gut), statt 5 sind es noch 7 weitere Präsis.

Verkehrte Welt – Wetter steht Kopf
Wie ich gehört habe, soll es in Deutschland noch immer kalt sein. Bei uns schmilzt sei drei Tagen nun der Schnee ;).

Vorher
Nachher

Ich will nicht sagen, dass wir hier mit offenen Türen schlafen müssen, weil die Hitze auch nachts unerträglich ist, aber es ganz schön warm.
Leider bleibt es wohl nicht lange so: wetter.com sagt, dass wir schon Freitag Abend wieder voll-geschneit sind.

Schuhcreme erfolgreich von der Gabel entfernt
Ein sehr negatives und intensiv emotionales Erlebnis hatte ich gestern Morgen (also Mittwochmorgen – soviel zu den schlechten Bedingungen vor der Präsentation): Um einigermaßen adäquat zur Präsentation zu erscheinen, habe ich mir Schuhcreme gekauft und wollte meine Schuhe etwas auf Trab bringen. Leider habe ich es nicht geschafft (trotz stärksten körperlichen und maschinellen Einsatzes) die Dose aufzukriegen. Stattdessen hatte ich die ganze Spüle und mein Besteck (ich habe die Dose irgendwann mit der Gabel und dem Messer durchlöchert, um einen Hebel zu haben) eingesaut und mir die Fingerkuppe des Zeigefingers aufgeschnitten.

kanadische Schuhcremedose

Heute, nachdem das Besteck eine Nacht lang in einem Spüli-Wasser-Gemisch (chemische Formel fällt mir grad nicht ein) gestanden hat, habe ich die Creme dann auch abbekommen (zumindest optisch).
Ob ich das zum Essen noch nutzen kann ist unklar. Haltet mal in den nächsten Tagen nach Schlagzeilen wie „Deutscher in Kanada an Lebensmittelvergiftung gestorben“ Ausschau. Und wenn ihr keine findet, und ich mich plötzlich nicht mehr melde, dann sollen die mal in Zimmernummer 2119 nach schauen.
Die Dose, um das abzuschließen, ist übrigens im Mülleimer gelandet. Lieber ungeputzte Schuhe als tot.

Kanadische Gummis reißen zu schnell
Während die Zahl der deutschen Bevölkerung seit Jahren rückläufig ist, habe ich heute erfahren, dass die kanadische Bevölkerung stetig zunimmt (derzeit ca. 33,4 Mio.).
Gerade eben, wollte ich die Salattüte mit einem Gummi zumachen, dabei ist dieses gleich zwei Mal gerissen. Ob zwischen diesen Ereignissen einen Zusammenhang besteht, konnte ich wissenschaftlich jedoch noch nicht nachweisen.

kanadische Gummis

Barbecue ruft
So und nun muss ich auch wieder weg, es gibt hier gleich ein Barbecue, d.h. Burger und Coke for free. Das darf ich mir nicht entgehen lassen ;). Jetzt hab ich aber auch einen Hunger…
Euch allen ein schönes Wochenende!!!





Die spinnen doch!

13 01 2010

Ein unglaublich seltsames Ereignis habe ich kürzlich nach einer (aus meiner Sicht ganz normalen, durchschnittlichen) Feier erleben dürfen.
Am Tag darauf (also nach dieser Feier), saß ich im Aufenthaltsraum vor meinem Laptop (Internet hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht auf’m Zimmer – jetzt schon ;)) und war in Arbeit vertieft.
Und da spricht mich ein junge Frau von der Seite an und sagt (und das ist jetzt mal nahezu wörtlich wiedergegeben und nicht wie sonst überspitzt; “nahezu” deswegen, weil ich es natürlich übersetzt habe):
„Hey, ich hab dich gestern gesehen, du hast doch auf der Party mit der blonden Frau rumgeknutscht!“

Da bin ich erstmal aus allen Wolken gefallen und war total perplex!
Alles was ich erwidern konnte war: „What?“
Und sie ganz selbstsicher: „Ja, gestern Abend auf der Tanzfläche.“
Ich wusste natürlich, dass es nicht stimmen konnte. Konnte es aber absolut nicht nachvollziehen, wie sie darauf kam/ woher sie das hatte. Ich musste an die Nespresso-Werbung denken, wo George Clooney, nachdem ihm die erste Frau den Kaffeepad/-tab klaut , zur zweiten Frau sagt: “You must be mistaken.“ – Natürlich fiel mir der schöne Satz von ihm in diesem Moment nicht ein, weil ich einfach so von den Socken war.
Also erklärte ich ihr, dass ich in einer glücklichen Beziehung bin und dass ich nicht auf die Idee käme, eine fremde Frau zu küssen.
Und sie darauf: „Dann musst du ja ganz schön betrunken gewesen sein!“
Ich wieder nur: „What?“
Sie: „Warst du?“
Ich: „Nein. Du musst mich definitiv verwechseln.“
Sie: „Du bist doch der Junge, der vor zwei Tagen auf dem Sofa da gesessen und Kaffee getrunken hat?“
Ich: „Ja. Trotzdem musst du mich verwechseln.“ (Ich hatte keine Zweifel, dass sie sich irrte. Trotzdem wurde es ab hier schon ein wenig unheimlich, da es ja anscheinend irgendwo einen Jungen geben musste, der mir ziemlich ähnlich ist.)
Sie: „Was studiert du denn?“
Ich: „Bachelor of Business“. (usw.)
Dann hat sie noch andere Dinge gefragt, wir haben uns kurz unterhalten bis sie dann unerwartet sagte:„Oh, da war der Junge ja gerade. Der war das.“
Ich habe ihn kurz von hinten gesehen, aber konnte ihn nicht zuordnen. Jedenfalls hatte sie sich geirrt und ging dann auch zügig.

Am gleichen Tag, etwas später, war ich mit Johannes bei Wendy’s einen Hamburger essen. Dort habe ich ihm die Geschichte erzählt. Er war genauso erstaunt, wie ich. Und als ich ihm dann sagte, dass sie nach einiger Zeit den Jungen tatsächlich wieder erkannt hatte, der es wirklich gewesen ist, fragte er mich, ob sie ihn dann darauf angesprochen hat. Die Frage konnten wir natürlich nicht beantworten, aber einer von uns sagte daraufhin als Scherz: „Und was, wenn sie ihn genauso verwechselt hat und beim Gespräch mit ihm nach ner Zeit auch sagt: ‚Ach da geht der Junge grade…’ und diesen dann wiederum anspricht?“

Das war der Punkt, wo plötzlich die scheinbar verrückte Geschichte plötzlich einen Sinn bekam…

Die Erkenntnis traf uns wie ein Schlag:
Was ist, wenn das kein dummer Zufall, sondern ein ausgeklügelter Plan gewesen ist? Wenn sie einfach einen Grund gesucht und gefunden hatte um mich anzusprechen?
Anscheinend hat sie mich ja schon vorher 2x gesehen, auf der Party und eben in diesem Aufenthaltsraum. Also was ist, wenn all das einfach ihre Masche war? Eine erfundene Geschichte, um einen anzusprechen und auszuquetschen?
Immerhin hat sie alle für sie relevanten Informationen (z.B. dass ich eine Freundin habe, wie meine Einstellung zur Beziehung ist, dass und was ich studiere, usw.) bekommen.
Was, wenn sie mich einfach nur „abgecheckt“ und für nicht geeignet befunden hatte? Und ich hab’s noch nicht einmal gemerkt (zumindest nicht in dem Moment).

An dem Punkt, war mir klar: „Dass musst du im Blog erzählen!“ Unabhängig, davon ob es nun von ihr wirklich so gewollt war, oder ob sie mich tatsächlich einfach verwechselt hat, war ich der Meinung, dass dies doch mal eine ganz andere Art wäre, eine Person anzusprechen (und in die Defensive zu drängen – für diejenigen, die Männer gerne leiden sehen ;)).

Natürlich wollte ich dieses Erlebnis mit euch teilen. Mein Wunsch war der, dass ihr möglichst, genauso wie ich auch, zunächst mit dem Satz „Ich hab dich mit einem anderen Mädchen gesehen…“ überrumpelt werdet und nicht sofort denkt: „Das ist die eine Anmache.“ Erst später solltet ihr dieses Aha-Erlebnis haben und den Gedanken: „Es könnte tatsächlich eine gewesen sein…“
Daher habe ich zwei Beiträge daraus gemacht. Und wenn auch nur einer von euch, trotz der Ankündigung, nicht bei den ersten Sätzen dieses Gesprächs an die Anmache gedacht hat, dann zeigt es, dass diese wirklich gut getarnt war.
Ich hoffe, dass es jemandem von euch so ergangen ist, und ich dieses Erlebnis so besser transportieren konnte. Wenn ich damit jedoch die Geduld einiger Leser über-strapaziert habe und/oder sie sich gar veräppelt fühlten, dann tut mir das sehr leid.